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Das Helfersyndrom

Die Bilanz von Geben und Nehmen muß stimmen

Der Psychoannalytiker Schmidbauer brachte mit seinem Buch "Die hilflosen Helfer" (1977) eine lebhafte Diskussion über die "Helferpersönlichkeiten" in Gang: Welche Berufsmotivation treibt eigentlich jemanden zur Ergreifung eines sozialen Berufes? Geht es immer um selbstloses Aufopfern im Dienste der Nächstenliebe oder ziehen Helfer auch seelischen Profit aus iherer Tätigkeit? Woher kommt es , wenn Helfer eigene Hilfsbedürftigkeit und Schwächen nicht akzeptieren können?

Es werden ausnahmsweise einmal nicht dioe Persönlichkeitsmerkmale der Patienten, sondern die der Helfer einer psychologischen Analyse unterzogen, wobei Schmidbauer dem "bemutternden Pflegekarakter" besonders Augenmerk widmet.

 

Was ist ein Helfersyndrom und wie entsteht es?

Schmidbauer beschreibt eine Helfersyndrom-Persönlichkeit als "eine an einem hohen, starren Ich-Ideal orientierte soziale Fassade, deren Funktionieren vom Über-Ich überwacht wird. Eigene Schwäche und Hilfsbedürftigkeit werden verleugnet. Die Unfähigkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, verbunden mit einer scheinbar unangreifbaren Fassade psychosozialen Engagemants wird zur karakterisierenden Persönlichkeitsstruktur."

Die Entstehung einer solchen Persönlichkeitsstruktur wird in frühen Kindheitserfahrungen gesehen: In der Entwicklungsphase, in der die Beziehung des Kleinkindes zu seinen Eltern durch Nähe und Abhängigkeit karakterisiert ist, bewirkt die Erfahrung, nur für Leistungen und gehorsame Anpassung und nicht um seiner selbst willen geliebt zu werden, eine tiefe Kränkung des Selbstwertgefühls.

Eine emotionale Verarbeitung dieser Konfliktsituation wird von seiten des Kindes durch besonders starre Identifikation mit den anspruchsvollen elterlichen Normen versucht.

Situationen, die Nähe und eigene Abhängigkeit bedeuten, wird ein Erwachsener mit solchen Kindheitserfahrungen wegen der seinerzeitigen narzistischen Kränkung zu vermeiden suchen bzw. sich nur insoweit darauf einlassen, als die Abhängigkeit eines hilfsbedürftigen klieneten gegeben ist.

Das aus dem frühkindlichen Mangelerlebnis resultierende eigene Bedürfnis nach Zuneigung und Geborgenheit, das nicht akzeptiert wird, wird durch die Identifikation mit dem Idealbild einer "aufopferungsvollen Persönlichkeit zu kompensieren versucht. Der Helfer sucht andere so zu behandeln, wie er selbst gerne behandelt werden möchte, ohne es sich offen einzugestehen. Die Helfersyndrom-Persönlichkeit sucht dementsprechend gehäuft Kontakte (bedeutungsvoll auch für die Berufswahl) zu hilfsbedürftigen Menschen, deren einseitige Abhängigkeit ein "Ausleben" des Helermotivs gewährleistet. Die Zuwendung zum Kienten erfoplgt dabei überwiegend auf der Ebene der Pflege- und Hilfeleistungen, nicht um der Person des Betreuten willen (Analogie zur erlebten Mutter-Kind-Beziehung).

Das Verhalten von Helfersyndrom-Persönlichkeiten verstärkt nach Schmidbauer auch die Wirkung der institutionellen Regression, wie sie sich in stark reglementierten Heimen entwickelt: "In diesem Anpassungsprozeß wird der Patient passiv, brav, affektiv versandet'. Er folgt dem Reglement, regrediert, bettelt um Nachtische und um kleine Vergünstigungen, freut sich über die begrenzte Anerkennung die er für seine Rolle als "guter Patient" erhält. zugleich vermittelt er in seiner Hilflosigkeit und Passivität den Helfern das Gefühl, unentbehrlich zu sein".

 

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