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Wildobst-Sträucher im Garten
Von Elmar Mai
 

Das Frankenland hat seinen Besuchern eine Menge zu bieten, berühmte Weine, beispielsweise, oder malerische Ortschaften.
In Sommerhausen aber, einem Winzerort am Main, erwartet den Besucher eine Überraschung ganz besonderer Art.
Dort hat sich nämlich ein Gastwirt auf die Verwertung heimischer Waldobstarten rückbesonnen und beschert seinen Gästen nicht gekannte Geschmackserlebnisse.

Völlig zu Unrecht sind die Kenntnisse über eßbare Früchte heimischer oder eingebürgerter Wild- und Ziergehölze weitgehend in Vergessenheit geraten. Und bei vielen Arten kennt so mancher noch nicht einmal mehr die Früchte selbst. Um so verblüffender ist es, daß sich neuerdings staatliche Institutionen verstärkt darum bemühen, neben Holunder auch viele andere heimische Wildobstarten für den Garten wiederzuentdecken.
Die Resultate der Gehölzsichtung sind vielversprechend, und so nimmt das Angebot an garteneigenen Sorten mit besonders wertvollen Früchten laufend zu.

Deshalb kümmern sich auch die Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau im fränkischen Veitshöchheim nicht nur um die Gehölze selbst, sondern sie sammeln auch alte Rezepte zur Verarbeitung von Wildobst in der Küche.

Wo, außer in Reformhäusern oder Bioläden, bekommen Sie heute noch Holundersaft? Dabei läßt er sich leicht aus den entstielten Beeren mit nur geringem Zuckerzusatz selbst erzeugen, im Winter übrigens ein probates Mittel gegen Erkältungen.
Wildfrüchte sind ohne Zweifel vielen Kulturobstsorten durch einen wesentlich höheren Vitamingehalt, intensiveren Geschmack und gesundheitsstärkende Inhaltsstoffe überlegen.
Schlehen für Marmelade und Liköre oder Brombeeren hat wahrscheinlich schon jeder einmal gesammelt.
Wer aber kennt heute noch die Mispel?
Dieser anspruchslose, weit ausladende Baum wuchs einst in jedem Baumgarten, weil er gegen Schädlinge und Krankheiten nahezu immun war, den heimischen Vögeln einen idealen Nistplatz bot und dem Bauern köstliche Früchte.
Die Kornelkirsche ist dagegen heute noch ein weitverbreitetes, robustes Ziergehölz. Selbst ohne Pflege kann es in Ihrem Garten uralt werden. Und hätten Sie es gewußt? Die Früchte sind sogar roh ein Genuß!
Überraschend ist auch, daß die unverwüstliche Mahonie, ein immergrüner Strauch, nur wegen des Zierwertes der Blüten und Früchte, nicht aber der köstlichen Marmeladen wegen geschätzt ist.
Es gibt auch Bäume mit Wildfrüchten, den Speierling beispielsweise, der noch am ehesten bei den Apfelweinfreunden seiner aromatischen Früchte wegen bekannt ist.
Mit dem Speierling nahe verwandt ist die Eberesche. Wenig bekannt ist bisher, daß es für den Hausgarten selektierte Sorten gibt, die besonders große Früchte liefern und zudem fast ohne Bitterstoffe sind.
Bisher nur im Osten populär: die Aronia, ein anspruchsloser, ziemlich groß werdender Strauch. Die fast schwarzen Früchte sind in jedem Garten eine Augenweide, wo ein Gourmet aber nicht lange widerstehen kann.

Die Königin unter den Wildobstarten, das ist unbestritten die Rose. Sowohl die Blütenblätter edler Duftrosen als auch die Hagebutten der Wildrosen sind Rohstoffe für eine Vielzahl köstlicher Leckereien. Eine besonders in Franken geschätzte Spezialität wird aus den extrem Vitamin-C-haltigen Früchten der heimischen Wildrosen zubereitet. Aber im Sortiment der Baumschulen finden Sie noch viele andere herrliche Wildrosenarten, die eßbare Hagebutten liefern und daher Fruchtrosen genannt werden.
Die entstielten Hagebutten werden in Wasser oder Dampf weichgekocht, das Mark durch ein Sieb von Haaren und Kernen befreit und 1 : 1 mit Zucker aufgekocht.

Die von uns hier vorgestellten Wildgehölze sind also eine Bereicherung für jeden Garten. Sie eignen sich als Solitäre oder als Bodendecker. Ihre Blüten und Früchte sind Nahrung für die heimische Tierwelt, die Pflanzen selbst sind meist frei von Schädlingen und Krankheiten. Wildobstarten stellen an den Boden kaum Ansprüche und liefern auch ohne Dünger hochwertige Früchte, die viel zu schade sind, als daß sie ausschließlich Vögeln zugute kommen sollten.

Informationen:

Das Lokal mit Wildbeerenspezialitäten in Sommerhausen ist das Weinhaus Düll
97286 Sommerhausen
Maingasse 3
Tel.: (0 93 33) 2 20

Literatur:

In der Reihe ,BdB-Handbücher’ unter dem Oberbegriff ,Grün ist Leben’, sind zu den Themen Stauden, Rosen, Obst und Gehölze aller Art inzwischen 10 Bände erschienen:
Wildobstarten: BdB Handbuch VIII ,Wildgehölze’
Das BdB-Handbuch VI ,Obstgehölze’ behandelt im Gegensatz zum vorigen im Garten kultivierte Arten und Sorten, aber auch eine Reihe Gehölze, die in die Rubrik ,Wildobst’ gehören.

  • Die beiden Bände (je 30,– DM) ergänzen sich recht gut zu einem Überblick über Wildobst für den Garten:

Verlagsgesellschaft Grün ist Leben mbH
Auslieferungslager
Woltsäckerstraße 6
70794 Filderstadt
Tel.: (0 71 58) - 30 11

Im gleichen Verlag hat der Bund deutscher Gartenfreunde zwei Broschüren (für DM 9,50), ‘Obstgehölze Teil A und B’ herausgegeben, wo besonders im Teil B einige Wildgehölze besprochen werden.

  • Brigitte Klemme/Dirk Holterman
    „Delikatessen am Wegesrand“
    „Unkräuter zum Genießen“
    Walter Rau Verlag
    Benderstr. 168a
    40625 Düsseldorf
    je DM 15,00
  • Christoph Needon:
    Wildfrüchte-Büchlein
    Verlag für die Frau, Leipzig
    128 Seiten, DM 9,80
  • Bezugsquellen:

Wir haben einige Adressen herausgesucht, die Wildgehölze versenden. Diese Liste ist eine kleine Auswahl und nur für den Fall, daß Ihre Baumschule das eine oder andere nicht beschaffen kann:

A : Baumschule Hans Bartsch
Postfach 12 50
65359 Geisenheim
Tel.:(01 72) 6 13 92 77
Fax.: (0 67 23) 18 89

  • B: Obst- und Beerenzentrum Häberli
    Postfach 1 66
    78201 Singen (Hohentwiel)
    August-Ruf-Straße 12 a
    78224 Singen (Hohentwiel)
    Tel.:(00 41) 7 93 33 90 28
  • C: Conrad Appel KG Baumschulen
    Brandschneise 1
    64295 Darmstadt
    Tel.: (0 61 55) 8 36 60
    Fax: (0 61 55) 83 66 30
  • D: K. B. Späthische Baumschule
    Späthstraße 80/81
    12437 Berlin
    Tel.: (0 30) 6 36 59 61
  • E: Baumschulen Herr, Baumschulenweg 19 – 25
    53340 Meckenheim/Rheinland 1
    Tel.: (0 22 25) 92 08 - 0
    Fax.: (0 22 25) 1 58 84
  • Auswahl lieferbarer Wildobstarten
    (die Großbuchstaben geben die oben genannte Bezugsquelle wieder):

Kiwi: Actinidia arguta ,Weiki’: E
Felsenbirne: Amelanchier lamarckii, ovalis, laevis: A, B, C, D, E
Apfelbeere: Aronia melanocarpa in Sorten: C, E
Berberitze: Berberis vulgaris: C
Eßkastanie: Castanea sativa: E
Scheinquitte: Chaenomeles sativa: E
Kornelkirsche: Coenus mas ,Jolio’: A, B, C, D, E
Weißdorn: Crataegus monogyna: E
Sanddorn: Hippophaea rhamnoides ,Leikora’, ,Pollmix’, ,Hergo’ ,Frugana’: A, B, C, D, E (Achtung: Männchen erforderlich!)
Mispel: Mespilus germanica ,Holländische Riesenmispel’: A, B, C, D, E
Maulbeere: Morus alba und Morus nigra: C, E
Kirschpflaume: Prunus cerasifera: E
Prunus Trailblazer: E
Traubenkirsche: Prunus padus: E
Schlehe: Prunus spinosus (veredelt): C, E
Stachelbeere: Ribes uva-crispa Wildform: C
Fruchtrosen: Rosa diverse species: B, C, E
Allackerbeere: Rubus arcticus: B
Brombeere: Rubus fruticosus: E
Japanische Weinbeere: Rubus phoenicolasius: B
Holunder: Sambucus ,Haschberg’: ,Riese von Voßloch’: A, B, C, D, E
Eberesche: Sorbus aucuparia Edulis ,Rosina’, ,Moravica’: A, B, C, D, E
Speierling: Sorbus domestica: C, E
Schwedische Mehlbeere: Sorbus intermedia: E
Elsbeere: Sorbus torminalis: C, E
Preiselbeere: Vaccinium vitis-idaea: C, E
Blaubeere: Vaccinium myrtillus: C, E
(Beste Bestellzeit im Winter, Mitte Oktober bis Mitte März)

 

 

 

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