Die Erben der DVD - Blu-Ray versus HD-DVD
Die DVD kommt langsam in die Jahre. Gut ein Jahrzehnt nach Einführung der Wunderscheibe wollen neue Formate ihren Platz einnehmen. Das ist nicht verwunderlich: Mit maximal 8,5 Gigabyte ist der Speicherplatz der Digital Versatile Disc zu knapp bemessen für die Ansprüche heutiger Speicher-Junkies. Zwei Formate wollen der DVD an den Kragen: die Blu-ray-Disc und die HD-DVD. Beide verwenden einen blauen Laser, um Daten zu brennen, sind aber miteinander inkompatibel.
Blu-Ray versus HD-DVD
Ein wesentlicher Vorteil der Blu-ray-Disc ist ihre Kapazität. Bis zu 50 Gigabyte Daten finden auf zwei Schichten Platz. Damit, so die Vision, sollen Bilder in bisher ungeahntem Detailreichtum und aus zahlreichen Kameraperspektiven zu sehen sein. Die HD-DVD (High Density DVD) kann "nur" etwa 30 Gigabyte unterbringen. Dafür ist sie einfacher herzustellen und benötigt im Gegensatz zur Blu-ray-Disc keine Schutzhülle. Beide Technologien eignen sich für das hoch aufgelöste HDTV. Was die Preise für die Medien angeht - da ist noch nichts durchgesickert. Fest steht aber, dass sie deutlich teurer sein werden als DVDs.
In Asien gibt's schon Geräte auf dem Markt Japan ist schon einen Schritt weiter - dort gibt es die dafür nötige Hardware bereits zu kaufen. Der Elektronikriese Sharp hat einen Blu-ray-DVD-Rekorder auf den Markt gebracht, der auf der integrierten 160-GByte-Festplatte HDTV-Sendungen aufzeichnen und wiedergeben kann. Das Gerät kostet umgerechnet rund 3000 Dollar. Philips und Pioneer stellten Anfang Januar auf der CES (Consumer Electronic Show) in Las Vegas Blu-ray-Brenner für den PC vor. Sie sollen in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen sollen. Erste Standalone-Geräte (Player und Rekorder) sollen Ende 2005 folgen.
Welche Technologie setzt sich durch?
Unklar ist, welches Format am Ende das Rennen machen wird. Die Blu-ray-Disc hat einen Kapazitätsvorteil und viele Unterstützer im Rücken. Zur Blu-ray Disc Association gehören unter anderem Sony, HP, LG, Pioneer, Philips und Sharp. Neu hinzugekommen sind die Spielehersteller Electronic Arts und Vivendi Universal. Über 70 Firmen haben sich zu Blu-ray bekannt.
Hollywood setzt auf HD-DVD
Doch die Filmindustrie hat bei der Etablierung eines neuen Standards ein nicht ganz unwichtiges Wörtchen mitzureden. Das HD-DVD-Konsortium, zu dem unter anderem Toshiba, NEC, Intel, IBM und Warner gehören, konnte auf der CES mit einer Überraschung aufwarten. Filmstudios wie Paramount, Universal und Warner Home kündigten bis zum Jahresende knapp 100 Titel für HD-DVD an. Filme wie "Mission Impossible 2", "Forrest Gump", "Van Helsing", "12 Monkeys" oder die "Bourne-Verschwörung" sind nur einige davon. Columbia Pictures und Metro-Goldwyn-Mayer favorisiert dagegen die Blu-ray-Disc. NEC will im September einen HD-DVD-Player für den PC für 500 Euro auf den Markt bringen. Zwei bis drei Monate später soll ein Brenner folgen. Ein Player von Sanyo ist für das vierte Quartal 2005 angekündigt.
Multinorm-Lösung nicht in Sicht
Blu-ray oder HD DVD - ein "Sieger" ist bislang nicht in Sicht. Die HD-DVD scheint aber besser im Rennen zu liegen. Neben der Unterstützung durch Hollywood kommt ihr zugute, dass für ihre Herstellung voraussichtlich die bestehenden Produktionsanlagen für DVDs genutzt werden können. Für die Industrie wäre das die kostengünstigere Variante. Ein Gerät für beide Formate wird es vermutlich nicht geben. Eine Multinorm-Lösung wie bei DVD-Brennern sei technisch zu aufwändig, hieß es. Bleibt zu hoffen, dass es dennoch zu einer verbraucherfreundlichen Lösung kommt.
Jetzt noch einen DVD-Brenner kaufen?
Welche Technologie auch immer sich durchsetzt - bis Geräte und Rohlinge bezahlbar sind, wird noch viel Zeit verstreichen. Daher kann man sich noch ruhigen Gewissens einen DVD-Brenner zulegen - bei Preisen um 70 Euro ist das eine gute Investition.