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Tempel und Schreine

 

 

Als Japan-Reisender stellt sich einem früher oder später die Frage, wie man denn nun einen Tempel von einem Schrein unterscheidet. Beginnen wir also mit dem Schrein:

Schrein

Einen schintoistischen Schrein erkennt man schon an der Tori an seinem Eingang. Sie ist das Tor zum Heiligtum und um den oberen Teil sind meist shimenawa geschlungen, geflochtene, mit Streifen weißen Papiers geschmückte Reisstrohbänder. Diese findet man auch um heilige Steine, Bäume und am eigentlichen Eingang zum Schrein. Den Hauptweg nach der Tori flankieren zwei steinerne Hunde (komu inu), Löwen und in den Inari-Schreinen auch ein Fuchs.

Der linke namens "a" hat den Mund geöffnet und symbolisiert den Beginn der Welt, während der rechts sitzende "un" mit geschlossenem Mund das Ende der Welt verkörpert. Danach gelangt man zum Reinigungsbecken (chozuya), wo man mit einer Schöpfkelle (hishaku) Wasser aus dem Becken entnimmt und sich die Hände wäscht und den Mund ausspült, um so gereinigt den Schrein zu betreten.

Vor der haiden, der Haupthalle des Schreins, befindet sich der saisen bako, eine Art Opferstock. Davor bleibt man stehen, wirft eine Münze hinein, läutet eine kleine Schreinglocke mit Hilfe eines sehr dicken Strickes, um die Schreingottheit auf sich aufmerksam zu machen, klatscht zweimal in die Hände und verbeugt sich.


Wer sein Glück testen will, zieht aus einer oktaedrischen Box, die er vorher natürlich kräftig schüttelt, ein Stäbchen, auf dem eine Nummer vermerkt ist. Das Stäbchen verbleibt für die Nächsten in der Box. Für seine jeweilige Nummer bekommt man einen Glückszettel, auf dem für verschiedene Dinge des Lebens (Geld, Familie, Arbeit usw.) eine Vorhersage geschrieben steht.

Ist man mit seinem Schicksal zufrieden, kann man sich den Zettel mit nach Hause nehmen und sich daran erfreuen. Wer es allerdings nicht ist, knotet seinen Papierstreifen an einen Baum im Schrein und die Schreingottheit nimmt sich seines Unglücks an. Es kann also, welche Vorhersage man auch zieht, eigentlich nichts schief gehen.


Neben einem Gebet kann man auch mit Hilfe eines omamori sein Glück beeinflussen. Dies sind kleine Holztäfelchen mit Abbildungen, auf denen man seine Wünsche vermerkt (allerdings keine rein materiellen, die werden nicht berücksichtigt) und sie dann an einer Wand anhängt. Außerdem kann man sich aus jedem Schrein Anhänger und dgl. mitnehmen.

Die wichtigste Rolle spielt der Schintoismus für Neugeborene und Kinder, bei Hochzeiten, zu Neujahr und bei den vielen kleinen Dingen des Lebens. So gehen Eltern mit ihren Neugeborenen am 30. und 100. Tag nach der Geburt in den Schrein, um für deren Gesundheit zu beten. In alten Zeiten waren das nämlich die kritische Tagen für die Neugeborenen. shichigosan ist der Tag (15. November) an dem die sieben (shichi), fünf (go) und drei (san) -jährigen in den Schrein gehen und sich segnen lassen. Am 15. Januar zu seijin no hi tun dies die 20-jährigen.


Trotz der inzwischen sehr verbreiteten Vorliebe für christlich gestaltete Hochzeitszeremonien, lassen sich noch viele Paare im Schrein trauen. Dabei wird ein Gelübde vor kami (der Gottheit) abgelegt.
Im Alltag läßt man sein neues Auto segnen, um damit unfallfrei zu fahren, oder seinen Bauplatz für das neue Haus segnen. Dabei schwenken die Priester in der ohari -Zeremonie eine mit Papierstreifen behängte Rute.

 

 

Tempel

Einen Tempel erkennt man daran, daß man all die Dinge, die einen Schrein auszeichnen, nicht vorfindet - nein im Ernst:

Am Eingang eines Tempels findet man oftmals ein riesiges Tor, das, im Gegensatz zur Tori, verschlossen werden kann und manchmal auch begehbar ist. Links und rechts im Tor sitzen die nio, die Wächter des Tempels.

Hat man dieses Tor durchschritten, realisiert man sehr schnell einen weiteren Unterschied zum Schrein - man darf nämlich Eintrittsgeld berappen, in der Regel zwischen 400 und 1000 Yen. Vor der Statue in der Haupthalle liegen die Opfergaben und Rächerstäbchen werden verbrannt. Gebetet wird mit gefalteten Händen vor der Statue.


Nicht selten findet man sehr schöne und oftmals vor langer Zeit von bekannten Persönlichkeiten angelegte Tempelgärten, insbesondere dann, wenn es sich um einen Zen-Tempel handelt. Außerdem sind viele Tempel von Friedhöfen umgeben. Oft sind Tempel als Altersresidenzen oder Meditierorte reicher Lords errichtet worden, um nach deren Tod in einen Tempel umgewandelt zu werden.

 


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